Auftaktveranstaltung zum Projekt „Wildsaatgut in der Landwirtschaft“ am 14. Februar 2025 in Marburg
Am 14. Februar 2025 lud der Landschaftspflegeverband (LPV) Marburg-Biedenkopf e.V. zur Auftaktveranstaltung des Projektes „Wildsaatgut in der Landwirtschaft“ im Tagungsgebäude des Landratsamtes Marburg ein. Auf der Auftaktveranstaltung wurde das Ende 2024 gestartete Projekt „Wildsaatgut in der Landwirtschaft“ vorgestellt. Zusätzlich berichteten Experten und Expertinnen von anderen Projekten, die sich bereits seit längerer Zeit mit der Wildsaatgewinnung und der Wiederherstellung von artenreichen Blühwiesen beschäftigen. An der Veranstaltung nahem über 40 Vertreter aus verschiedensten Bereichen von landwirtschaftlichen Betrieben über Umweltplanungsbüro und Behörden hin zu Vertretern von Hessenmobil und botanischem Garten teil.
Olaf Hausmann (Vorstandsvorsitzender, LPV Marburg-Biedenkopf e.V.) und Judith Ziemek (Geschäftsführerin, LPV Marburg Biedenkopf) mit einer Begrüßung und Vorstellung der Arbeit des LPV und der Entstehungsgeschichte des Projektes. Landrat Jens Womelsdorf ließ es sich nicht nehmen ebenfalls einige Worte zum Gruß zu sagen. Dabei hob er besonders die Wichtigkeit des Erhalts des Artenreichtums im Landkreis hervor.
Dr. Jan-Niklas Nuppenau, Koordinator des Projekts führte durch die weitere Veranstaltung. Neben Hintergründe und Ziele sowie die Partner des Projektes vorgestellt. Als Motivation für die Initiation des Projekts nannte er den zunehmenden Verlust artenreicher Grünflächen. Zu diesem Verlust kommt es durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, der in den letzten Jahren einerseits zu einer Nutzungsintensivierung auf vielen Flächen, andererseits aber auch zu einer Nutzungsaufgabe und Verbuschung von nicht mehr rentabel zu bewirtschafteten Flächen geführt hat. Um diesem negativen Trend entgegen zu wirken gilt es neben der Pflege noch vorhandener artenreicher Grünlandflächen, neue Flächen anzulegen und ehemals artenreiche Flächen wieder aufzuwerten. Bei der Auswahl von passendem Saatgut für solche Maßnahmen ist zu bedenken, dass Pflanzen sind in hohem Maße genetisch an die besonderen Bedingungen ihrer direkten Umwelt, z.B. Temperatur, Niederschlagsmengen und Bodenbedingungen, angepasst sind. Saatgut von Pflanzen aus dem im Vergleich zum mittelhessischen Bergland deutlich wärmeren und trockeneren Rheintal ist zum Beispiel deutlich schlechter an das regionale Klima angepasst als Saatgut von regional wachsenden Wildpflanzen. Für die erfolgreiche und dauerhafte Anlage artenreicher Grünlandflächen ist daher die Verwendung von an die regionalen Bedingungen angepassten Saatgutes nötig und mittlerweile oft gesetzlich vorgeschrieben. Ziel des Projekts ist die Gewinnung und Vermarktung von regionalem Saatgut durch lokal ansässige Betriebe zu erproben. Damit sollen Bedarfslücken für regionales Saatgut geschlossen und eine zusätzliche Einnahmequelle für landwirtschaftliche Betriebe eröffnet werden.
Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Dr. Yves Klinger von der Justus-Liebig-Universität Gießen) und Projektmitglied. In seinem Vortragt hat er über wissenschaftliche langzeit Untersuchung von Flächen, die mit Wildsaatgut aufgewertet wurden, berichtet und über Faktoren die entscheidend sind für die erfolgreiche Etablierung von artenreichem Grünland. Aus der Praxis berichtet Martha Kindig stellvertretende Geschäftsführerin des Naturschutzgroßprojektes Vogelsberg. Sie zeigte Erfolgsbeispiele aus dem Vogelsberg wo viele Flächen insbesondere von wertvollen Bergmähwiesen mit lokal gewonnenem Saatgut aufgewertet wurden. Auch im Lahn-Dill Kreis gewinnt die Landschaftspflegevereinigung seit einigen Jahren Wildsaatgut. Hierzu berichtet der Geschäftsführer Günter Schwab ausführlich zu dem noch vorhandenen Reichtum an artenreichen Flächen im hessischen Bergland, mahnte aber auch den zunehmenden Verlust wertvoller Flächen durch Nutzungsaufgabe und Klimawandel. Anschaulich berichtet er zum dem von Erfahrungen mit verschiedenen Techniken zur Gewinnung Trocknung und Lagerung von Saatgut und den zu erzielenden Erträgen. Nach einem Vortrag von Dr. Sarah Harvolk-Schöning vom Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. und Projektmanagerin des Projekts Blütenvielfalt ‒ Regionale Wildpflanzen für artenreiches Grünland RegioProD zur aktuellen Lage von Wiesendrusch und Spenderflächen in Hessen und den Aktivitäten des RegioProD Projektes , endete die Veranstaltung gegen 17:00 Uhr mit einer kurzen Abschlussdiskussion.

