Projekt
Erzeugung von regionalem Wildsaatgut auf landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Im Oktober 2024 startete das Projekt „Wildsaatgut in der Landwirtschaft“. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt und wurde vom Landschaftspflegeverband (LPV) Marburg-Biedenkopf e.V. initiiert. Ziel des Projektes ist es, zu erproben wie die Gewinnung und der Vertrieb von regionalem Wildpflanzensaatgut als zusätzlicher Wirtschaftszweig in bestehende landwirtschaftliche Betriebe integriert werden kann. Gefördert wird das Projekt durch EU-Mittel im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-Agri) und das Land Hessen.
Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft kam es in den letzten Jahren einerseits zu einer Nutzungsintensivierung, andererseits zur Nutzungsaufgabe und Verbuschung von Flächen. Beides führt dazu, dass die Zahl artenreicher Grünlandflächen abnimmt. Um diesem negativen Trend entgegen zu wirken, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben der Pflege noch vorhandener artenreicher Grünlandflächen, können bestehende, ehemals artenreiche Flächen mit regionalem Wildsaatgut wieder aufgewertet oder auch komplett neu angelegt werden. Da Pflanzen in hohem Maße genetisch an die besonderen Bedingungen ihrer direkten Umwelt, z.B. Temperatur, Niederschlagsmengen und Bodenbedingungen, angepasst sind ist die erfolgreiche und dauerhafte Anlage artenreicher Grünlandflächen daher die Verwendung von an die lokalen Bedingungen angepassten Saatgutes essentiell. Saatgut von Pflanzen aus dem im Vergleich zum mittelhessischen Bergland deutlich wärmeren und trockeneren Rheintal sind zum Beispiel deutlich schlechter an das hiesige Klima angepasst als Saatgut von Pflanzen, die seit vielen Generationen hier wachsen. die Verwendung von solch regionalem Saatgutes essentiell ist mittlerweile in der Freien Natur, d.h. außerhalb des Siedlungsbereiches und auf nicht land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen, auch gesetzlich vorgeschrieben.
Mit der Gewinnung von regionalem Saatgut durch regional ansässige Betriebe sollen Bedarfslücken für regionales Saatgut geschlossen und eine zusätzliche Einnahmequelle für Landwirtschaftliche Betriebe erschlossen werden.
Im Laufe des Projektes werden bei den Partnerbetrieben artenreiche Flächen zur Ernte von Saatgut identifiziert und diese mit einem Mähdrescher oder einem Bürstensammelgerät beerntet. Der Wasser- und Bodenverband Marburger Land verfügt bereits über Erfahrung im „Wiesendruschverfahren“ und stellt die benötigte Technik zu Verfügung. Zusätzlich untersucht die Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen die Artenzusammensetzung und Keimfähigkeit des Saatgutes, führt eine Bedarfsanalyse durch und entwickelt eine passende Vermarktungsstrategie. Die Projektpartner arbeiten gemeinsam daran, die Gewinnung von hochwertigem Wildsaatgut profitabel zu gestalten und in bestehende Betriebsabläufe zu integrieren.
Landwirtschaftliche Betriebe, die an einer Projektteilnahme interessiert sind und über artenreiches und seit vielen Jahren nur extensiv genutztes Grünland im Landkreis Marburg-Biedenkopf verfügen, können sich weiterhin beim LPV Marburg-Biedenkopf melden.

