Grünland in Mitteleuropa
Die Entstehung von Grünland in Mitteleuropa hat eine lange Geschichte und ist eng mit der Besiedlungsgeschichte durch den Menschen verbunden.
Grünlandbiotope in Mitteleuropa sind fast ausschließlich durch menschliche Nutzung entstanden. Erste Grünlandflächen entstanden in Mitteleuropa dabei vor etwa 8000 Jahren durch eine durchgängige Beweidung von Nutztieren.
Durch die intensive Beweidung wurden die Flächen freigehalten und die Etablierung von Bäumen und Büschen, welche die eigentliche natürliche Vegetation bilden wurde verhindert. Dadurch konnten sich viele Pflanzen und damit auch Tierarten des Offenlands die sonst eher in Steppen und -Tundragebieten vorkommen in Mitteleuropa etablieren.
Vor rund 1200 bis 1500 Jahren begann zusätzlich die gezielte Wiesenwirtschaft, bei der Teile der Grünladflächen regelmäßig für die Gewinnung von Heu gemäht wurden, nur noch eine kurzeitige Vor- und Nachbeweidung erfahren haben und der Mist der Weidetiere zur Düngung auf die Äcker gebracht wurde. Durch diese Nutzungsart wurden wiederum spezielle Lebensräume nährstoffarme aber sehr artenreiche Lebensräume geschaffen.
Über die Jahrhunderte hinweg haben sich durch diese Bewirtschaftungsweisen Lebensräume mit deren Artenreichtum einer der höchsten weltweit ist gebildet. Diese Lebensräume reagieren jedoch durch ihre enge Entstehungsgeschichte mit der menschlichen Nutzung auch sehr sensible auf Nutzungsänderung. Solange die Nutzung konstant bleibt, bleibt auch die Artenzusammensetzung stabil.
Es können jedoch bereits kleine Veränderungen in der Bewirtschaftung oder den Standortbedingungen große Auswirkungen auf die Artenvielfalt und die Struktur der Lebensräume haben.
Durch die Intensivierung der landwirtschaftliche Nutzung auf der einen Seite und der Aufgabe der Nutzung auf ertragsarmen Standorten auf der anderen Seite, ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Artenvielfalt auf mehr als 90 % der Grünlandflächen Mitteleuropas drastisch zurückgegangen. Der Schutz und die angepasste Bewirtschaftung von Grünlandbiotopen ist daher entscheidend, um die wertvollen Lebensräume und ihre Artenvielfalt zu erhalten. In den hessischen Mittelgebirgen verfügen wir noch über vergleichsweise viele dieser artenreichen Wiesen und Weiden aber auch hier nimmt die Anzahl und der Artenreichtum stetig ab.
Für die landwirtschaftliche Nutzung verfügen diese Flächen jedoch heutzutage nur noch über wenig Wert, da das gewonnen Heu nicht mehr den Nährstoffbedarf der Hochleistungsrinderrassen decken können und die Schafhaltung schwer rentabel gestaltbar ist. Es gilt daher andere Anreize zu ihrem Erhalt zu schaffen.




